Nachschlagewerk
Glossar Ereignisdialog
Die zentralen Begriffe des Ereignisdenkens — kompakt erklärt, alphabetisch sortiert. Von „Ereignis" bis „Sechsphasenmodell": ein Nachschlagewerk auf Basis der Werke von Helmut-Whitey Kritzinger.
Kernmodell
Das Sechsphasenmodell des Ereignisdenkens
Die vier Prinzipien des Ereignisdenkens lassen sich im Gespräch selbst in sechs aufeinanderfolgenden Phasen anwenden. Sie bilden den praktischen Ablauf, der im Seminar „Die Kraft des Ereignisses" trainiert wird.
- 01Wahrnehmen — Das tatsächliche Ereignis im Gespräch erkennen, statt sofort inhaltlich zu reagieren.
- 02Benennen — Das Ungesagte besprechbar machen: Tonfall, Pause, Reaktion.
- 03Deuten — Der Bedeutung des Ereignisses für die Beziehung der Gesprächspartner nachgehen.
- 04Gestalten — Bewusst ein neues, konstruktives Ereignis entwerfen, das das Gespräch weiterträgt.
- 05Setzen — Das gestaltete Ereignis im richtigen Moment im Dialog platzieren.
- 06Integrieren — Die Wirkung reflektieren und in den eigenen Kommunikationsstil überführen.
A
- adeeptalk
- Das kompakte Gesprächsformat des Ereignisdenkens. adeeptalk zeigt, wie eine einzige, präzise gestellte Frage ein Ereignis auslösen kann, das ein ganzes Gespräch verändert — ohne den Rahmen eines Seminars.
- Argument
- Im klassischen Verständnis das zentrale Mittel der Überzeugung. Das Ereignisdenken stellt dem das Prinzip „Ereignis vor Argument" entgegen: Ein Gespräch verändert sich nicht durch bessere Argumente, sondern durch das Ereignis, das zwischen den Gesprächspartnern entsteht.
B
- Beziehungsereignis
- Ein Ereignis, das die Qualität einer Beziehung unmittelbar verändert — im positiven wie im negativen Sinn. Vertrauen und Nähe entstehen nicht durch einzelne Aussagen, sondern durch wiederkehrende, positiv erlebte Beziehungsereignisse.
- Botschaftsmodell (klassisch)
- Das traditionelle Kommunikationsmodell, das davon ausgeht, eine Botschaft werde von einem Sender zu einem Empfänger transportiert und entfalte dort ihre Wirkung. Das Ereignisdenken widerspricht dieser Annahme: Wirkung entsteht nicht durch Transport, sondern durch das Ereignis im Moment des Verstehens.
D
- Dialog
- Im Ereignisdenken kein bloßer Austausch von Redebeiträgen, sondern eine fortlaufende Folge von Ereignissen, die die Beziehung der Gesprächspartner entweder stärken oder schwächen — siehe Ereignisdialog.
E
- Ereignis
- Der zentrale Begriff des Ereignisdenkens: das, was tatsächlich zwischen zwei Menschen geschieht, wenn kommuniziert wird — jenseits des reinen Inhalts. Ein Blick, eine Pause, ein Tonfall können ein Ereignis sein, das die Beziehung verändert.
- Ereignisdenken
- Die von Helmut-Whitey Kritzinger entwickelte Kulturtechnik der Kommunikation. Sie fragt nicht zuerst „Was sage ich?", sondern „Welches Ereignis entsteht dadurch, wie ich es sage — und in welchem Moment?"
- Ereignisdialog
- Der nach den Prinzipien des Ereignisdenkens geführte Dialog sowie Titel des Standardwerks von Helmut-Whitey Kritzinger. Kommunikation wird darin als fortlaufende Erzeugung von Ereignissen verstanden, nicht als Transport von Botschaften.
- Ereignisgesellschaft
- Eine Gesellschaft, deren zwischenmenschliche und mediale Kommunikation zunehmend durch einzelne, oft flüchtige Ereignisse geprägt wird, statt durch stabile, inhaltlich verankerte Aussagen. Der Begriff beschreibt den gesellschaftlichen Rahmen, in dem Ereignisdenken als Kulturtechnik relevant wird.
- Ereignisqualität
- Das Maß dafür, wie konstruktiv oder destruktiv ein Ereignis auf eine Beziehung oder ein Gespräch wirkt. Der Erfolg eines Dialogs bemisst sich im Ereignisdenken nicht an der Zahl der Argumente, sondern an der Ereignisqualität, die er erzeugt.
- Ereignisrad
- Ein Werkzeug des Ereignisdenkens zur Visualisierung, wie einzelne Ereignisse in einem Gespräch aufeinander aufbauen und sich wechselseitig verstärken oder abschwächen können.
F
- Fragen als Ereignis
- Die Grundidee von adeeptalk: Eine Frage ist im Ereignisdenken nicht nur ein Mittel, um Informationen zu erhalten, sondern selbst ein Ereignis, das die Beziehung zwischen den Gesprächspartnern in diesem Moment verändert.
G
- Gestalten
- Das dritte der vier Prinzipien des Ereignisdenkens: Statt auf ein Ereignis nur zu reagieren, wird bewusst ein neues, konstruktives Ereignis gesetzt, das das Gespräch weiterträgt.
I
- Impuls
- Ein kleiner, oft unbewusster Auslöser innerhalb eines Gesprächs, der ein Ereignis in Gang setzen kann. Im systemischen Denken des Ereignisdenkens werden Impulse gezielt genutzt, statt sie dem Zufall zu überlassen.
K
- Kausaldenken
- Das klassische Denkmodell, das Kommunikation als Ursache-Wirkung-Kette begreift: eine Aussage führt zu einer bestimmten Reaktion. Das Ereignisdenken stellt dem die Nicht-Kausalität von Gesprächsereignissen entgegen.
- Konstruktivismus
- Eine kommunikationstheoretische Tradition, auf der das Ereignisdenken aufbaut: Bedeutung entsteht nicht beim Sender einer Botschaft, sondern im Moment des Verstehens beim Empfänger.
M
- Moment
- Die kleinste relevante Einheit im Ereignisdenken. Ereignisse entfalten ihre Wirkung immer in einem konkreten Moment eines Gesprächs — losgelöst vom Moment verliert ein Ereignis seine Bedeutung.
N
- Nicht-Kausalität
- Ein Grundprinzip des Ereignisdenkens: Gesprächsereignisse folgen keiner einfachen Ursache-Wirkung-Logik. Dieselbe Aussage kann je nach Moment, Beziehung und Kontext völlig unterschiedliche Ereignisse auslösen.
P
- Prinzipien des Ereignisdenkens
- Die vier Grundregeln der praktischen Anwendung: Wahrnehmen statt Reagieren, das Ereignis benennen, neue Ereignisse gestalten, Wirkung statt Wortgefecht. Im Sechsphasenmodell werden sie in einen konkreten Gesprächsablauf überführt.
R
- Resonanz
- Die spürbare, oft nonverbale Reaktion eines Gesprächspartners auf ein Ereignis. Resonanz ist im Ereignisdenken der Indikator dafür, ob ein Ereignis eine Beziehung stärkt oder schwächt.
S
- Sechsphasenmodell
- Der praktische Ablauf des Ereignisdenkens im Gespräch: Wahrnehmen, Benennen, Deuten, Gestalten, Setzen, Integrieren. Details siehe Kernmodell oben.
- Systemisches Denken
- Eine der drei Denktraditionen, aus denen das Ereignisdenken schöpft. Jedes Gespräch wird als System verstanden, das auf Impulse reagiert — Ereignisdenken nutzt diese Impulse gezielt.
V
- Vertrauen
- Im Ereignisdenken kein stabiler Zustand, sondern das Produkt wiederkehrender, positiv erlebter Beziehungsereignisse. Vertrauen entsteht oder zerbricht im Moment eines einzelnen Ereignisses.
W
- Wahrnehmen statt Reagieren
- Das erste der vier Prinzipien des Ereignisdenkens: Bevor eine Antwort formuliert wird, wird das eigentliche Ereignis im Gespräch erkannt — was ist gerade tatsächlich geschehen?
- Wirkung statt Wortgefecht
- Das vierte Prinzip des Ereignisdenkens: Der Erfolg eines Dialogs bemisst sich nicht an der Zahl der Argumente, sondern an der Qualität der Ereignisse, die er erzeugt hat.